Leistungsverzeichnis prüfen: Ausschreibungen im Bau sicher bewerten
Bevor aus einer Ausschreibung ein kalkuliertes Angebot wird, muss das Leistungsverzeichnis genau geprüft werden. Sind Leistungen eindeutig beschrieben, Mengen plausibel und alle relevanten Angaben vorhanden? Eine strukturierte Prüfung hilft Bauunternehmen, Unklarheiten, fehlende Informationen und mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und schafft eine verlässliche Grundlage für die anschließende Angebotskalkulation.
Was vor der Kalkulation geprüft werden sollte
Ein Leistungsverzeichnis bildet die wesentliche Grundlage für die Angebotskalkulation im Bau. Bevor Preise angesetzt und Kosten ermittelt werden, sollten die enthaltenen Leistungen und Vorgaben deshalb systematisch geprüft werden. Dabei geht es nicht nur um einzelne Positionen, sondern um das Zusammenspiel von Leistungsbeschreibung, Mengen und weiteren Ausschreibungsunterlagen.
Leistungsbeschreibungen prüfen
Sind die geforderten Leistungen eindeutig und vollständig beschrieben? Unklare Formulierungen, fehlende Angaben oder widersprüchliche Anforderungen können die spätere Kalkulation erschweren. Deshalb sollten die Leistungsbeschreibungen darauf geprüft werden, ob Art und Umfang der auszuführenden Arbeiten nachvollziehbar definiert sind.
Mengen und Positionen prüfen
Auch Mengenansätze und einzelne LV-Positionen sollten vor der Kalkulation auf Plausibilität geprüft werden. Dabei ist relevant, ob Positionen nachvollziehbar aufgebaut sind, Mengenangaben zu den beschriebenen Leistungen passen und mögliche Auffälligkeiten oder Widersprüche zwischen einzelnen Positionen bereits vor der eigentlichen Preisermittlung erkennbar werden.
Ausschreibungsunterlagen prüfen
Das Leistungsverzeichnis steht nicht immer für sich allein. Weitere Ausschreibungsunterlagen können zusätzliche Vorgaben und Informationen für die Leistungserbringung enthalten. Pläne, Vorbemerkungen, Vertragsbedingungen und ergänzende Unterlagen sollten deshalb auf Vollständigkeit und mögliche Widersprüche zum LV geprüft werden.
Weitere Faktoren vor der Angebotskalkulation berücksichtigen
Neben der Prüfung von Leistungen, Mengen und Ausschreibungsunterlagen spielen weitere Faktoren eine Rolle, bevor die eigentliche Kalkulation beginnt. Je nach Ausschreibung können formale Anforderungen, Leistungen von Nachunternehmern und erkennbare Abweichungen zusätzliche Auswirkungen auf die Angebotsbearbeitung haben.
Ausschreibungsverfahren und Vorgaben beachten
Bei öffentlichen und privaten Ausschreibungen können unterschiedliche Anforderungen an die Angebotsabgabe bestehen. Bei öffentlichen Vergaben sind insbesondere die vorgegebenen Vergabeunterlagen und formalen Anforderungen zu berücksichtigen. Werden EFB-Preisblätter gefordert, müssen auch die entsprechenden Kalkulationsangaben für die Angebotsabgabe aufbereitet werden.
Nachunternehmerleistungen frühzeitig einbeziehen
Werden Teile der ausgeschriebenen Leistungen durch Nachunternehmer erbracht, sollten entsprechende Angebote frühzeitig eingeholt und miteinander verglichen werden. Dabei sind neben den Preisen auch Leistungsumfang und Konditionen relevant. Ein strukturierter Preisspiegel erleichtert den Vergleich von Preisen und Leistungen und schafft eine belastbare Grundlage für die spätere Kalkulation.
Abweichungen und mögliche Nachträge erkennen
Unklare Leistungsabgrenzungen, widersprüchliche Angaben oder Abweichungen zwischen Leistungsverzeichnis und weiteren Unterlagen sollten bereits bei der Prüfung dokumentiert und geklärt werden. So lassen sich Änderungen gegenüber dem ursprünglich ausgeschriebenen Leistungsumfang im weiteren Projektverlauf besser nachvollziehen und bewerten.
Leistungsverzeichnis prüfen: Schritt für Schritt
Die Prüfung eines Leistungsverzeichnisses sollte einem klaren Ablauf folgen. Ziel ist es, die ausgeschriebenen Leistungen und Rahmenbedingungen zu verstehen und offene Punkte zu erkennen, bevor Mengen, Kosten und Preise in die eigentliche Kalkulation einfließen.
1. Aufbau und Vollständigkeit erfassen
Zunächst sollte geprüft werden, ob das Leistungsverzeichnis vollständig vorliegt und wie es gegliedert ist. Titel, Lose, Gewerke und einzelne Positionen geben die Struktur der ausgeschriebenen Leistungen vor. Fehlende Bestandteile oder auffällige Lücken sollten bereits bei dieser ersten Sichtung erkannt werden.
2. Positionen und Leistungsumfang prüfen
Im nächsten Schritt werden die einzelnen LV-Positionen betrachtet. Leistungsbeschreibungen sollten eindeutig erkennen lassen, welche Arbeiten, Materialien und Ausführungen gefordert sind. Dabei ist auch zu prüfen, ob sich Leistungen überschneiden oder notwendige Leistungen in einzelnen Positionen nicht eindeutig berücksichtigt sind.
3. Mengen und Einheiten plausibilisieren
Mengen und Mengeneinheiten haben direkten Einfluss auf die spätere Kalkulation. Auffällige Mengenansätze, unpassende Einheiten oder Abweichungen zu Plänen und weiteren Ausschreibungsunterlagen sollten deshalb erkannt und bei Bedarf vor der Angebotserstellung geklärt werden.
4. Offene Punkte vor der Kalkulation klären
Ergeben sich aus dem Leistungsverzeichnis Widersprüche, fehlende Angaben oder Auslegungsfragen, sollten diese nicht erst während der Preisermittlung berücksichtigt werden. Eine frühzeitige Klärung schafft eine verlässlichere Ausgangsbasis, bevor die geprüften Positionen in die Angebotskalkulation übernommen werden.
Vom geprüften Leistungsverzeichnis zur Kalkulation
Sind Leistungen, Mengen und Rahmenbedingungen geprüft und offene Punkte geklärt, steht eine belastbare Grundlage für die weitere Angebotsbearbeitung zur Verfügung. Die geprüften Ausschreibungsdaten können anschließend in die Angebotskalkulation einfließen und dort für die Ermittlung von Kosten und Preisen genutzt werden.
Typische Fehler bei der LV-Prüfung
Unstimmigkeiten in einer Ausschreibung sind nicht immer sofort erkennbar. Werden sie erst während der Kalkulation entdeckt, entstehen Rückfragen und zusätzlicher Prüfaufwand. Besonders diese Punkte sollten deshalb frühzeitig geklärt werden:
Unvollständige Leistungsbeschreibungen
Angaben zu Ausführung, Materialien oder geforderten Leistungen fehlen oder sind nicht eindeutig.
Unplausible Mengen und Einheiten
Mengenansätze wirken auffällig oder Einheiten passen nicht zur beschriebenen Leistung.
Widersprüche zwischen Positionen
LV-Positionen überschneiden sich oder enthalten voneinander abweichende Vorgaben.
Abweichungen zu weiteren Unterlagen
Leistungsverzeichnis, Pläne oder Vorbemerkungen enthalten unterschiedliche Angaben.
Ungeklärte Rahmenbedingungen
Vorgaben mit Einfluss auf die Leistungserbringung sind vor der Kalkulation noch offen.
Ausschreibungsdaten mit Pro-Bau/S® AddOne weiterverarbeiten
Mit Pro-Bau/S® AddOne können Leistungsverzeichnisse über GAEB-Schnittstellen eingelesen und für die weitere Angebotsbearbeitung genutzt werden. Die übernommenen LV-Positionen stehen anschließend für die Kalkulation zur Verfügung, ohne die Ausschreibungsdaten erneut erfassen zu müssen.
Wie Kosten und Preise positionsbezogen ermittelt und Angebote kalkuliert werden, erfahren Sie auf unserer Seite zur Angebotskalkulation im Bau.
Durchgängige Prozesskette
So verbindet Pro-Bau/S® AddOne die digitale Übernahme des Leistungsverzeichnisses mit der anschließenden Kalkulation und Angebotserstellung.
Checkliste: Leistungsverzeichnis vor der Kalkulation prüfen
Bevor die Kalkulation beginnt, sollten die wesentlichen Angaben und Rahmenbedingungen der Ausschreibung geklärt sein. Diese Checkliste fasst die wichtigsten Prüfpunkte zusammen:
- Vollständigkeit: Liegen Leistungsverzeichnis und alle relevanten Ausschreibungsunterlagen vollständig vor?
- Leistungsumfang: Sind die ausgeschriebenen Leistungen eindeutig beschrieben und voneinander abgegrenzt?
- Positionen: Gibt es fehlende, doppelte oder widersprüchliche LV-Positionen?
- Mengen und Einheiten: Sind Mengenansätze und Mengeneinheiten plausibel und stimmen sie mit den weiteren Unterlagen überein?
- Pläne und Unterlagen: Gibt es Abweichungen zwischen Leistungsverzeichnis, Plänen, Vorbemerkungen oder weiteren Vorgaben?
- Nachunternehmerleistungen: Sind erforderliche Nachunternehmerleistungen identifiziert und notwendige Angebote eingeholt?
- Vergabeanforderungen: Sind bei der jeweiligen Ausschreibung formale Vorgaben und erforderliche Unterlagen berücksichtigt?
- Offene Punkte: Sind Unklarheiten, Widersprüche und mögliche Abweichungen vor der Preisermittlung geklärt und dokumentiert?
Ausschreibung geprüft und bereit für die Kalkulation?
Sie möchten Ausschreibungsdaten und Leistungsverzeichnisse effizient in Ihre Angebotsbearbeitung übernehmen? Wir zeigen Ihnen, wie Pro-Bau/S® AddOne den Prozess von der digitalen Ausschreibung bis zur Kalkulation unterstützt.
Sie haben Fragen? Wir sind gerne für Sie da.
Kundenberatung / Vertrieb
Fon: 05 21 / 9 28 70-0
Mail: info@probau-s.de
Oder füllen Sie direkt unseren Beratungscheck aus!
Häufige Fragen zu Leistungsverzeichnissen und Ausschreibungen
Ein Leistungsverzeichnis (LV) beschreibt die auszuführenden Leistungen eines Bauvorhabens in einzelnen Positionen. Es enthält unter anderem Leistungsbeschreibungen, Mengen und Einheiten und bildet eine wichtige Grundlage für die Ausschreibung, Angebotsbearbeitung und anschließende Kalkulation.
Zunächst werden Vollständigkeit, Leistungsbeschreibungen, Positionen, Mengen und Einheiten geprüft. Anschließend sollten die Angaben mit Plänen, Vorbemerkungen und weiteren Ausschreibungsunterlagen abgeglichen werden. Widersprüche, fehlende Angaben und offene Fragen sollten vor der Preisermittlung erkannt und geklärt werden.
Typische Auffälligkeiten sind unvollständige oder mehrdeutige Leistungsbeschreibungen, unplausible Mengen und Einheiten, fehlende oder doppelte Positionen sowie Widersprüche zwischen Leistungsverzeichnis und weiteren Ausschreibungsunterlagen. Solche Punkte können die Kalkulation und spätere Leistungserbringung beeinflussen.
GAEB ermöglicht einen standardisierten digitalen Austausch von Bauinformationen. Leistungsverzeichnisse können in entsprechenden GAEB-Formaten zwischen den Beteiligten ausgetauscht und in geeigneter Bausoftware weiterverarbeitet werden. Dadurch müssen Ausschreibungsdaten nicht vollständig manuell neu erfasst werden.
Werden ausgeschriebene Leistungen durch Nachunternehmer erbracht, beeinflussen deren Angebote die eigene Kalkulationsgrundlage. Ein Preisspiegel ermöglicht es, eingegangene Angebote strukturiert gegenüberzustellen und Preise, Leistungsumfang und Konditionen miteinander zu vergleichen.
Sind Ausschreibungsunterlagen und Leistungsverzeichnis geprüft und offene Punkte geklärt, können die Daten in die Angebotskalkulation übernommen werden. Dort werden die Kosten und Preise der angebotenen Leistungen ermittelt und das Angebot auf Grundlage der geprüften Ausschreibungsdaten erstellt.